Naturschätze rund um Korntal-Münchingen

Unter dem obigen Motto Naturschätze und rechtsstehenden Logo werden die städtische Umweltschutzstelle und die Ortsverbände von BUND und NABU in lockerer Folge seltene beziehungsweise bemerkenswerte Pflanzen und Tiere vorstellen, die auf unserer Gemarkung zu entdecken sind. Wir hoffen Ihr Interesse zu wecken und möchten Sie dazu motivieren, sich für den Schutz unserer Umwelt einzusetzen. Wir sind der Überzeugung, dass jeder auf seine Art dazu beitragen kann, unsere Natur vor Ort für die kommenden Generationen zu bewahren.

Fotos der vorgestellten Tiere und Pflanzen sowie deren Lebensräume werden Sie auf den folgenden Internetseite des NABU und in Kürze auch von BUND und der Stadt finden:

www.korntal-muenchingen.de
www.nabu-korntal-muenchingen.de
www.korntal-muenchingen.bund.net

Unsere Serie beginnt mit der Bienen-Ragwurz

Königin der Blumen - so wird die Orchidee genannt. Vielen gilt sie als pflanzlicher Inbegriff von Schönheit und Exotik. Doch man muss nicht nach Mittel- oder Südamerika reisen, um wild wachsende Orchideen zu bestaunen. Auch bei uns, in Korntal-Münchingen, gedeihen einige Orchideen-Arten.

Eine davon ist die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera). Man findet sie an sonnigen bis leicht schattigen, mageren Standorten. Mit ihrer auffälligen Blüte entspricht sie dem Bild, das sich viele Menschen von Orchideen machen. Es gibt aber auch Arten, die weiß oder grünlich sind und uns daher weniger ins Auge fallen.
Orchideen weisen einige interessante Besonderheiten auf. So gehören zum Beispiel die meisten unserer einheimischen Ragwurz-Arten zu den sogenannten Sexualtäuschblumen. Durch Blütengestalt, Haarstrukturen auf der Oberfläche und Sexuallockstoffe ahmen sie die Weibchen bestimmter Wespen- oder Bienenarten nach. Die Männchen, die vor den Weibchen schlüpfen, lassen sich von den Attrappen täuschen, versuchen sich mit den Blüten zu paaren und bestäuben sie dabei.

 Ein raffiniertes Betrugsmanöver, das dazu dient, den Pollen der Ragwurz gezielt zu einer anderen Blüte derselben Art zu bringen. Doch diese Strategie ist riskant! Die Ragwurz ist auf diejenigen Insektenarten angewiesen, deren Weibchen sie imitiert. Stirbt die Insektenpopulation aus, so gibt es keine gezielte Bestäubung mehr.
Manche Orchideen nutzen daher andere, weniger risikoreiche Methoden der Bestäubung. So auch unsere Bienen-Ragwurz: Sie bestäubt sich selbst.

2 - Das Rebhuhn

Als Kulturfolger liebt das Rebhuhn kleinteilig gegliederte Ackerlandschaften, die ihm mit Hecken und Büschen, höher bewachsenen Feld- und Wegrändern, Gräben und eingestreuten Brachflächen auch ausreichend Möglichkeiten zur Deckung bieten. Dies steht im Widerspruch zu einer intensiv genutzten, großflächig bearbeiteten Feldflur, wie sie sich in Europa mehr und mehr durchgesetzt hat. Intensiver Maschineneinsatz verursacht hohe Verluste an Nestern und Küken, und die Artenarmut in der modernen Kulturlandschaft verringert auch das Nahrungsangebot – die Altvögel benötigen eine Vielzahl von Pflanzen mit ihren Samen und für die Jungenaufzucht ist ein reiches Insektenangebot wichtig. Viele für das Rebhuhn gefährliche Entwicklungen kommen zusammen, so dass die Bestände europaweit katastrophal abgenommen haben.

Fast immer sieht man Rebhühner auf dem Boden; sie rennen rasch mit aufwärts gestrecktem Hals. Aufgescheucht fliegen sie mit lautem Flügelgeräusch niedrig davon. Im März und April verlassen die Hähne kurz nach Sonnenuntergang ihre Deckung und fliegen einzeln auf die noch kahlen Felder, wo sie ihren schnarrenden Revierruf hören lassen. Im Frühjahr und Sommer trifft man meist auf Paare, die dann im Hochsommer und Herbst ihre Jungen mit sich führen („Ketten“). Im Winter können sich manchmal mehrere solcher Familienverbände zu ganzen Völkern zusammenschließen. Im Frühjahr lösen sich die Familienverbände wieder auf und die Paare finden sich wieder.

Auf den Feldern und Wiesen rund um Korntal-Münchingen können wir glücklicherweise immer noch Rebhühner antreffen. In den letzten Jahren haben die Bestände sogar wieder leicht zugenommen. Hoffen wir, dass dieser Trend weiterhin anhält, den verantwortungsbewusste Landwirte beispielsweise mit extensiven Randstreifen und dem Erhalt von Gehölzen gezielt unterstützen können.

3 - Bläulinge

Wie wäre es mit einem gemütlichen Spaziergang durch blühende Wiesen bei Kallenberg oder im Gschnaidt? Dort können Sie im Sommer kleine intensiv blau gefärbte Schmetterlinge bei der Nahrungssuche beobachten. Es sind Falter aus der Familie der Bläulinge (Lycaenidae). Doch nicht alle Bläulinge sind blau: Es gibt auch Arten mit bräunlichen, orangefarbenen oder gefleckten Flügeln.

     Bemerkenswert ist der Lebenszyklus mancher Arten, der eng mit Ameisen verknüpft ist. Ein typisches Beispiel hierfür ist der seltene Dunkle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling (Maculinea nausithous), der noch im Stuttgarter Raum vorkommt. Er legt seine Eier in die Blüten des Großen Wiesenknopfes, wo die geschlüpften Raupen zunächst auch fressen. Ab einer gewissen Größe verlassen sie die Pflanze und fallen zu Boden. Vorbeilaufende Ameisen tragen sie in ihr Nest, da die Raupen ein Sekret abgeben, das gerne von den Ameisen gefressen wird.

     Im Ameisennest ernährt sich die Raupe dann von der Ameisenbrut. Sie wird aber trotzdem geduldet, weil sie das begehrte Sekret liefert und den Nestgeruch der Ameisen nachahmt. Die Raupe verpuppt sich dann im Ameisennest, und im nächsten Frühjahr schlüpft der fertige Schmetterling. Er muss das Ameisennest schnell verlassen, damit er seine Flügel ausbreiten kann, ehe sie erhärten. Der Falter sucht sich dann wieder einen Wiesenknopf, und der Zyklus beginnt von neuem.
Den Großen Wiesenknopf stellen wir in einem der nächsten Artikel vor.

4 - Blindschleiche

Die Blindschleiche (Anguis fragilis) gehört trotz ihres Aussehens nicht zu den Schlangen, sondern ist eine „Eidechse ohne Beine“. An ihrem Skelett kann man noch die Reste von Schulter- und Beckengürtel erkennen und auch die Embryonen zeigen noch winzige Anlagen von Gliedmaßen. Typisch für Eidechsen sind auch die Augenlider: Blindschleichen können, im Gegensatz zu Schlangen, ihre Augen schließen.

Angreifer verwirrt die Blindschleiche mit einem raffinierten Trick: Sie wirft ihren Schwanz ab. Während dieser zuckt und zappelt und den Gegner beschäftigt, bringt sich die Blindschleiche in Sicherheit. Der Schwanz wächst als kleiner Stummel nach, während er bei anderen Eidechsen bis zu zwei Dritteln seiner ursprünglichen Länge erreichen kann.

Der Name der Blindschleiche ist irreführend. Zwar sieht das Tier nicht besonders gut, blind ist es aber keineswegs. „Blind“ leitet sich vielmehr vom althochdeutschen Wort für „blenden“ ab und bezieht sich auf die glänzende Oberfläche des Tieres.

Die Blindschleiche lebt an sonnigen bis halbschattigen, leicht feuchten Stellen mit reichlich Bodenvegetation: Man findet sie daher auf Wiesen und an Waldrändern, in Gebüschen und naturnahen Gärten. Sie ernährt sich vor allem von Schnecken und Regenwürmern sowie seltener von Insekten. In Gefangenschaft können die Tiere über 30 Jahre alt werden.

Die Blindschleiche ist ein völlig harmloses Tier und zudem ein guter Schneckenvertilger. Streuen Sie daher kein Schneckenkorn, um die Blindschleiche nicht zu vergiften! Freuen Sie Sich, wenn Sie die hübsche Echse an einem kühlen Tag in Ihrem Kompost entdecken sollten, wo sie Schutz, Wärme und Nahrung sucht.

5 - Großer Wiesenknopf

Der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) ist eine charakteristische Pflanze wechselfeuchter Wiesen. Mit seinem hohen Wuchs und seinen dunkelroten Blüten zieht er in größeren Beständen die Blicke auf sich.

Der wissenschaftliche Gattungsname „Sanguisorba“ leitet sich ab von den lateinischen Worten für „Blut“ und „aufsaugen“. Die Pflanze wirkt nämlich blutstillend, was auf ihren hohen Gerbstoffgehalt zurückzuführen ist. Der Artname „officinalis“ weist darauf hin, dass der Große Wiesenknopf schon lange als anerkannte Heilpflanze verwendet wurde (Offizin = Apotheke).

Wechselfeuchte Wiesenknopf- bzw. Wiesensilgen-Wiesen werden leider immer seltener. Wir haben das Glück, dass es auf unserer Gemarkung, im Gewann Gschnaidt, noch derartige Wiesen gibt. Um diese wertvollen Lebensräume zu erhalten, hat die Stadt ein Wiesenschutzprogramm ins Leben gerufen. Es gewährt Landwirten einen finanziellen Ausgleich, wenn sie beim Düngen und Mähen bestimmte Auflagen erfüllen. Mehrere Landwirte haben sich bereit erklärt, an dem Förderprogramm teilzunehmen - dafür herzlichen Dank! Bei Fragen dazu, wenden Sie sich jederzeit gerne direkt an die Stabsstelle Umwelt-, Klima-, Naturschutz, Telefon 07118367-1326.

Hoffen wir, dass die gemeinsamen Anstrengungen zum Schutz dieser Wiesen erfolgreich sind. Dann können nicht nur wir uns an den Pflanzen und Tieren der Feuchtwiesen erfreuen, sondern auch noch unsere Kinder und Enkel!

6 - Blauflügel-Prachtlibelle

Die Prachtlibelle (Calopteryx virgo) trägt ihren Namen zu Recht. Die Männchen mit ihrem blaumetallisch schimmernden Körper und den dunkelblauen Flügeln zählen zu unseren schönsten Libellen. Die bräunlich gefärbten Weibchen sind dagegen weniger auffällig.

Bei den Libellen handelt es sich um eine uralte Insektengruppe. Fossilien ihrer Vorfahren hat man in ca. 300 Millionen Jahre alten Gesteinen gefunden. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 75cm gehören die fossilen Libellenvorfahren zu den größten Insekten, die je auf der Erde gelebt haben.

Alle Libellen verbringen ihre Larvenzeit im Wasser, wo sie sich räuberisch von verschiedenen Tieren ernähren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Libellenarten leben die Larven der Prachtlibellen aber nicht in stehenden, sondern in fließenden Gewässern. Die Tiere besiedeln bevorzugt naturnahe, relativ saubere, sauerstoffreiche Bäche mit sonnigen und schattigen Uferbereichen. Ihr Vorkommen deutet somit auf einen recht guten Gewässerzustand hin. Sie können daher dafür als sogenannte „Zeigerart“ dienen.

Die erwachsenen Libellen sind genau wie die Larven geschickte Jäger. Die Libellen-Männchen besetzen Reviere entlang des Bachlaufes, die sie gegen Konkurrenten verteidigen. Die Weibchen werden mit Balztänzen umworben und während der Eiablage bewacht und beschützt. Das Männchen zeigt dem Weibchen mit hochgehobener Hinterleibsspitze günstige Eiablageplätze wie z.B. flutende Wasserpflanzen. Die Eier werden dann in die Pflanzen abgelegt und zwar im Bereich des Wasserspiegels oder auch darunter. Hierbei kann das Weibchen mehr als eine halbe Stunde unter Wasser bleiben.

Bei einem Spaziergang im Münchinger Täle, also entlang unserem Räuschelbach, haben Sie an einem schönen Sommertag vielleicht Gelegenheit, diese farbenprächtigen Libellen zu bewundern.

7 - Gartenrotschwanz

War er früher ein ständiger Begleiter auf einem Spaziergang durch Streuobstwiesen oder eine Kleingartenanlage, so ist der Gartenrotschwanz heute nur noch mit etwas Glück zu beobachten. Nicht nur Streuobstwiesen und Kleingärten gehören zu beliebten Brutgebieten des farbenprächtigen Singvogels. Vielmehr ist er ein Bewohner, der offene Gehölze bevorzugt und somit auch an Waldrändern, in Parks und Friedhöfen nach Bruthöhlen sucht. Gerne nimmt er auch künstliche Nisthilfen an. Dabei bleibt der Gartenrotschwanz sehr ortstreu und besetzt letztjährige Reviere erneut, wenn die Nisthöhlen dies ermöglichen

Kehrt der Gartenrotschwanz Ende April aus seinen Überwinterungsgebieten zurück, beginnt das Männchen sein Revier zu suchen, zu verteidigen und Weibchen anzulocken. Hierzu sitzt er aufrecht auf Baumspitzen und singt seine typischen Gesangsstrophen.

Die Unterscheidung der Geschlechter ist im Brutkleid eindeutig. Während das Männchen auf seiner Sitzwarte durch eine rostrote Brust- und Bauchpartie, eine tiefschwarze Kehle und einen weißen Streif an der Stirn weithin sichtbar ist, ist das Weibchen durch ein schlichtes braunes Kleid gekennzeichnet. Der namensgebende rote Schwanz ist bei beiden Geschlechtern ausgeprägt.

Der farbenprächtige Vogel ernährt sich überwiegend von Insekten und Spinnen, welche er meist am Boden erbeutet. Dabei ist oft zu beobachten, dass der Gartenrotschwanz nach einer erfolgreichen Beutejagd denselben Zweig im Baum wieder anfliegt.

8 - Die Zwergfledermaus

Es handelt sich um die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Was bei uns Arme und Hände sind, hat sich bei ihnen in wendige Flügel verwandelt. Sie haben sich in die Nacht zurückgezogen und konnten so als Artengruppe Millionen von Jahren überleben. Wir sehen sie nicht, nur manchmal wenn wir aufmerksam in der Dämmerung den Himmel beobachten – die Fledermäuse.

Als wir unsere Fledermauskästen im März 2017 kontrollierten, fanden wir eine der kleinsten heimischen Fledermausarten, die Zwergfledermaus. Ihr Gewicht liegt zwischen Teebeutel und Bonbon, wenn sie aber die Flügel ausbreitet, erreicht sie fast die Spannweite eines Spatzen. Sie zählt zu den ‚Hausfledermäusen’, denn sie lebt gerne in der Nähe der Menschen und bewohnt dort kleine Spalten und Hohlräume in Hausfassaden, Flachdächern oder hinter Fensterläden, aber offensichtlich gefällt es manchen Exemplaren auch in unserem lichten Seewald in Fledermauskästen. Mit ihrem zarten Körper, der in eine Streichholzschachtel passen würde, kann sie sich nahezu unsichtbar machen. Nur Spuren von kleinen schwarzen Krümeln, ihrem Kot, können darauf hinweisen, wo sie wohnt. Trotz ihres geringen Gewichtes vertilgt sie doch eine erstaunliche Menge von Insekten: sehr gerne verspeist sie Mücken, pro Nacht bis zu 2.000 Stück! In lauen Sommernächten kann man sie schon in der Dämmerung an Straßenlaternen oder sogar im Garten jagen sehen. Ab August sind die im Juni geborenen Jungen schon erwachsen und gehen auf Brautschau.

Wenn es kälter wird, verschwinden die Beutetiere, die Insekten, nach und nach. Um den Winter jedoch zu überleben, haben die Fledermäuse eine Strategie entwickelt. Die kleinen ‚Zwerge’ fliegen nicht wie viele Vögel oder auch manch größere Fledermaus große Strecken in wärmere Gegenden, sondern sie suchen einen gleichmäßig temperierten kühlen, aber windgeschützten Ort möglichst in der Nähe, um in eine Winterlethargie zu verfallen. Die angefutterten Fettreserven müssen dann genügen, bis wieder Insekten fliegen. Daher verlangsamt sich ihr Herzschlag auf nur ungefähr 10 Schläge pro Minute. Die Körpertemperatur wird an die Außentemperatur angepasst und auf 2 bis 10° C heruntergefahren.

Jede Störung hat jetzt einen hohen Energieverbrauch zur Folge und ist lebensgefährlich für die kleine Fledermaus. Sie ist nun auf unser Verständnis und auf unsere Hilfe angewiesen. Eine innere Uhr sagt ihr, wann sie wieder aufwachen kann, denn dann muss sie sofort genügend Nahrung finden, um die aufgebrauchten Reserven zu erneuen. Sie fliegt in ihr vertrautes Sommerquartier zurück, falls dieses noch existiert.

9 - Kleines Mädesüß

Vom Mädesüß gibt es zwei verschiedene Arten, und zwar das Echte Mädesüß (Filipendula ulmaria) und das Kleine oder Knollige Mädesüß (Filipendula vulgaris). Der Name hat nichts mit „Süßen Mädels“ zu tun, sondern deutet darauf hin, dass Blüten und Sprosse früher zur Aromatisierung von Met (Honigwein) und Wein verwendet wurden. Im Laufe der Zeit wandelte sich dann „Met“ zu „Mäd“.

Das Echte Mädesüß findet man häufig an feuchten Stellen wie Gräben oder Teich- und Bachufern. Das Kleine Mädesüß ist dagegen eine seltenere Art, die auf der Roten Liste Baden-Württembergs als gefährdet eingestuft wird (RL3). Es stellt deutlich höhere Ansprüche an seinen Lebensraum: Dieser sollte abwechselnd trockenere und feuchtere Perioden haben, darf nicht überdüngt und nicht zu hochwüchsig sein.

In unserer weiteren Umgebung, d.h. in dem Gebiet zwischen Hochdorf- Pflugfelden -Feuerbach - Leonberg, gibt es nur noch drei bekannte Fundorte des Kleinen Mädesüß. Zwei davon liegen ganz auf unserer Gemarkung, sind sehr klein und auf Dauer wohl nicht überlebensfähig. Der dritte, größte Bestand befindet sich im Gschnaidt, zum kleineren Teil auf Stuttgarter Gebiet, zum überwiegenden Teil auf unserer Gemarkung. Korntal-Münchingen hat daher eine besondere Verantwortung für das Überleben dieser Art. Wenn das Vorkommen im Gschnaidt erlischt, wird die Pflanze auf einer großen Fläche sehr wahrscheinlich auf Dauer verschwunden sein. Wir alle können aber gemeinsam zu ihrem Schutz beitragen:    

  • Als Spaziergänger: Indem wir die Pflanze nicht abpflücken und auf den Wegen bleiben.
  • Als Stadt: Durch den Erhalt der Wiesenlandschaft und durch die Fortführung des städtischen Wiesenschutzprogramms der Umweltschutzstelle sowie durch abgestimmte Pflege des Grabensystems.
  • Als Landwirte: Durch angepasste Bewirtschaftung der jeweiligen Wiesen. Im Bereich des größten Vorkommens im Gschnaidt konnte bereits eine diesbezügliche Vereinbarung mit dem Landwirt getroffen werden.

Vielen Dank an alle, die mitmachen.

10 - Rauch- und Mehlschwalbe

Alle europäischen Schwalben sind typische Zugvögel. Sie überwintern zumeist in Afrika und verbringen die Sommermonate in ihren heimischen Brutgebieten. Am bekanntesten sind die beiden häufigen Arten Rauch- und Mehlschwalbe, die in und um unsere Ortschaften herum zuhause sind, zum Glück auch noch – leider immer weniger – bei uns in Korntal-Münchingen.

Die Rauchschwalbe zeigt eine ziegelrote Kehle, eine vom Kopf bis zum Schwanz dunkel blauschwarze Oberseite und verlängerte äußere Schwanzfedern, welche die typischen Spieße bilden. An Brust und Bauch ist sie dunkel weiß bis kräftig ockerfarben. Die Mehlschwalbe ist etwas kompakter, oberseits heller blau und bei richtigem Licht sogar von türkisblauem Glanz. Ihr Schwanz ist deutlich eingekerbt, aber zeigt niemals Spieße. Von der Kehle bis über den Bauch ist sie kreideweiß, genauso wie ihr Bürzel.

Ihre Nahrung fangen alle Schwalben ausschließlich fliegend aus der Luft. Bei sonnigem Wetter können sie sich in solchen Höhen befinden, dass sie mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen sind. Bei schlechtem Wetter jedoch sieht man sie vermehrt flach über dem Boden jagend.

Ihre Nester bauen Schwalben aus Lehm und feuchter Erde, welche sie an Pfützen und Bächen sammeln. Da sie solche Stellen bei uns immer weniger finden, kann man ihnen an geeigneten Stellen auch künstliche Nisthilfen anbieten, am besten mit einem Kotbrettchen darunter. Mehlschwalben sind Koloniebrüter und kommen meist in Gruppen von 4 bis 5 Paaren an einem Brutplatz vor. Sie brüten außen an Häusern, unter Vorsprüngen oder überstehenden Dächern. Rauchschwalben dagegen brüten eher einzeln und mit größerem Abstand zueinander. Ihre Nester finden sich in Ställen, offenen Gebäuden und Schuppen.

Leider sind beide Arten europaweit im Rückgang. Dies liegt vor allem am Verlust ihrer Brutplätze, am Mangel von geeigneten Stellen zur Aufnahme des Nistmaterials und besonders am massiven Rückgang ihrer Nahrung, den Insekten. Es gibt leider auch Menschen, die sich über Schwalben nicht freuen können, sondern nur den unter ihren Nestern sich ansammelnden Schmutz sehen.
Freuen Sie sich stattdessen über deren Vorkommen und denken Sie daran:
Schwalben sind streng geschützte Arten und somit ist auch das Herunterschlagen oder sonstige Zerstören von Schwalbennestern strafbar.

11 - Blauschwarze Holzbiene

Die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) ist unsere größte einheimische Solitärbiene (ca. 2-2,5cm). Solitär bedeutet: Im Gegensatz zu Hummeln oder Honigbienen lebt sie nicht in einem Insektenstaat. Vielmehr bauen die Weibchen jeweils eigene Nester für ihre Nachkommen. Die Holzbiene sucht sich dafür mürbes Totholz, in das sie mit ihren Mundwerkzeugen Gänge nagt. Diese unterteilt sie in Brutzellen und bestückt sie jeweils mit Nahrung und einem Ei.

Die Holzbiene findet man an sonnenexponierten Stellen mit viel Totholz wie zum Beispiel in alten Parkanlagen, naturnahen Gärten und Streuobstwiesen. Da derartige Lebensräume immer seltener werden, steht die Holzbiene in Baden-Württemberg auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten.

Insgesamt ist der Bestand an Wildbienen und anderen Insekten in den letzten Jahrzehnten massiv eingebrochen. Wie Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen ergaben, hat dort an manchen Stellen die Menge der Fluginsekten in den letzten 25 Jahren um bis zu 80% abgenommen. „Wenn dieser Trend sich fortsetzt“, so Experten, „sterben sie in weniger als zehn Jahren aus“ (Pressemitteilung der Universität Hohenheim vom 28.10.2016.). In China gibt es bereits ganze Landstriche ohne bestäubende Insekten. Lassen wir es nicht so weit kommen!

Auch Honigbienen, falls sie überleben sollten, könnten den Ausfall von wildlebenden Insekten nicht kompensieren. Hummeln beispielsweise fliegen noch bei kühler und nasser Witterung, wenn Bienen im Stock bleiben. Manche Pflanzen stehen auch in sehr enger Beziehung zu bestimmten wildlebenden Bienen oder Wespen. So beispielsweise einige Orchideen oder der Gilbweiderich, der Öl anstelle von Nektar anbietet. Andere Arten wiederum können aufgrund ihres Blütenaufbaus nur von Schmetterlingen bestäubt werden.

Viele Menschen stehen dem Verlust der natürlichen Artenvielfalt gleichgültig gegenüber. Aber auch der wirtschaftliche Schaden für Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion wäre enorm, wenn die wildlebenden bestäubenden Insekten weitgehend aussterben würden. Das überzeugt hoffentlich auch diejenigen, die nur in ökonomischen Kategorien denken.

Nur gemeinsam können wir etwas bewegen und wichtige Veränderungen bewirken. Unterstützen Sie uns bitte dabei!

12 - Kröten und Molche

Die Erdkröte ist die größte und häufigste europäische Kröte. Sie kommt in ganz Deutschland vor. Sie zeigt auf dem Rücken eine einheitlich braune, dunkelbraune oder ockerfarbene Färbung. Das Weibchen wird bis zu 15 cm groß, deutlich größer als das Männchen. Die Erdkröte lebt in naturnahen Wäldern, an den Ufern von Kleingewässern, in Parkanlagen, Weinbergen, Obstwiesen, Hecken, Steinbrüchen oder feuchten Kellern. Zum Laichen suchen Erdkröten die Gewässer auf, in denen sie sich selbst aus Kaulquappen entwickelt haben. Wie die Erdkröten den Weg zu "ihren" Gewässern finden, ist noch weitgehend unbekannt. Trotz hoher "Laichplatztreue" besiedeln die Erdkröten aber auch neu entstandene Kleingewässer. In den ersten warmen Frühlingsnächten beginnt die Laichwanderung. Die Laichperiode ist kurz, sie dauert meist nur einige Nächte.

Der Bergmolch besiedelt vor allem das Hügel- und Bergland, kommt aber auch im Tiefland vor. Im Gebirge wurde er schon in Höhen von 3000 m gesichtet. Er wird bis zu 12 cm groß, das Männchen ist etwas kleiner. An seinem leuchtend orangeroten Bauch ist er leicht zu erkennen. Seine Laichzeit dauert etwa von Mitte März bis Juni.

Auch der Teichmolch hat ein sehr weites Verbreitungsgebiet, von Frankreich bis Westasien. Es gibt zahlreiche Unterarten. Er wird etwa 6,5-10 cm groß. Sein Kopf ist hell/dunkel längsgestreift, Rücken und Seite sind olivgrün/bräunlich, der Bauch gefleckt. Seine Laichzeit geht von März bis Mai.
Sowohl die Erdkröte als auch beide Molcharten können unter anderem beim Grünen Heiner beobachtet werden. Aus einer ehemaligen Reinigungswanne für LKWs hat sich nach Stilllegung der Deponie ein kleines Feuchtbiotop entwickelt, das in jedem Frühjahr zahlreichen dieser Amphibien als Laichplatz dient. Seit über 25 Jahren wird es von freiwilligen Helfern (u.a. von NABU und BUND) und der Umweltschutzstelle der Stadt während der Laichzeit betreut und kontrolliert. 2017 musste nach vielen Jahren dem Wasserstand wieder mal etwas nachgeholfen werden; das Frühjahr war einfach zu trocken. Der städtische Bauhof hat hier geholfen. Leider ist die Zahl der Erdkröten und Molche, die den Teich am Grünen Heiner zum Laichen aufsuchen, in den letzten Jahren schwankend und etwas rückläufig. Über die Gründe kann man nur spekulieren.